Top-Ten-Platzierung in Südafrika für M. Herbst


Ein Bericht von Thomas Koepke:

Mit einer echten Energieleistung zum Ende des Wettkampfes sicherte sich Profi-Triathlet Marcus Herbst (Triathlonfüchse Osterburg) am Sonntag beim Ironman Südafrika eine hervorragende Top-Ten-Platzierung und beendete das Event auf dem neunten Platz. Den Zielstrich überquerte Herbst nach exakt 8:00:31 Stunden. Damit fand ein ereignisreiches Wettkampfjahr nach Höhen und Tiefen für den Altmärker aus Kloster Neuendorf auch einen versöhnlichen Abschluss.

Zunächst bereitete sich Herbst zuvor in einem Trainingslager in Portugal an der Algarve auf den letzten Wettkampfhöhepunkt des Jahres 2021 vor. Und an Südafrika hat der Triathlonfuchs sehr gute Erinnerungen, denn im Jahr 2018 nahm er dort an der Ironman 70.3-Weltmeisterschaft teil und belegte den 12. Platz in einem erlesenen Teilnehmerfeld. „Die Anreise nach Südafrika funktionierte reibungslos. Ich war auch schon eine Woche vorher da, um mich ein wenig zu akklimatisieren. Die Vorbereitung in Portugal lief für mich vielversprechend, von daher war ich vor dem Rennen auch sehr zuversichtlich“, so der Klosteraner und Wahl-Leipziger.

Diesmal hieß es jedoch für Herbst und die anderen Profis, die volle Distanz zu absolvieren – jedenfalls hatten sie das vor. Unter der Woche erschwerten aber starke Winde und Strömungen mit hohem Wellengang die Vorbereitung und Planung des Ironmans. Bereits am Freitagabend war somit klar, dass die Starter deswegen auch nur ein eingeschränktes Schwimmen absolvieren werden. Eigentlich beträgt die Strecke bei einer vollen Langdistanz exakt 3,8 Kilometer. Diskutiert wurde im Vorfeld sogar, das Schwimmen gänzlich abzusagen und einen reinen Duathlon zu absolvieren. Doch der Veranstalter entschloss sich, dass unter diesen schwierigen Bedingungen zumindest ein Halbdistanz-Schwimmen über 1,9 Kilometer angebotenwerden kann. „Mich persönlich hätte die volle Distanz im Wasser nicht einmal gestört. Ich komme bei rauer See und Wind immer ganz gut zurecht im Wasser“, so Herbst.

So gingen die Profi-Männer pünktlich im 6:25 Uhr Ortszeit (5:25 Uhr MEZ) in den Ozean. Marcus Herbst schaffte es gleich, sich einer starken Gruppe anzuschließen. So hing er lange an den Füßen Ferreira (Portugal) und Weiss (Südafrika). Mit nur 40 Sekunden Rückstand auf die absolute Spitze um den Finnen Goesch, den Norweger Petersen und den beiden Franzosen Costes und Jarrige und einem 100 Meter-Schnitt von 1:13 Minuten, stieg der Altmärker nach 23:07 Minuten – ebenfalls noch in der Spitzengruppe befindlich – wieder aus den Fluten. Distanziert hatte er zu diesem Zeitpunkt sogar Sebastian Kienle. Kienle wies nach dem Schwimmen schon einen Rückstand von zwei Minuten auf.

Nach einem ultraschnellen Wechsel in T1, Herbst blieb als einziger Profi unterhalb der Zwei-Minutengrenze, ging es auf das Rad. Dabei ist es kein Geheimnis, dass das die Schokoladen-Disziplin für den Altmärker ist. Schon nach den ersten drei Kilometern hatte sich der Kloster Neuendorfer auf Platz 10 vorgearbeitet und den Rückstand zur Spitze auf eine halbe Minute minimiert. Nur 27 Kilometer später hatte er endgültig zur absoluten Spitze aufgeschlossen. Gemeinsam mit Buckingham(Südafrika), Maurice Clavel (Deutschland), Costes und Petersen rangierte Herbst in guter Gesellschaft auf dem vierten Platz. „Allerdings war der Straßenbelag entlang der Küste aber sehr rau und sogar mit einigen Schlaglöchern versehen. Man musste teilweise sogar aufpassen, dass man die Trinkflasche nicht aus der Halterung verlor. Das war natürlich eine große Aufgabe“, so Herbst.

Die vordere Radgruppe hatte sich nach gut 70 Kilometern bereits auf sieben Fahrer vergrößert. Herbst selbst lag zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei. Von hinten verkürzte nun auch Kienle den Rückstand immer weiter und schickte sich an, ganzweit nach vorn zu fahren. Zu der Zeit fuhr dann auch Rasmussen nicht nur nach vorn, sondern sprengte mit seiner Verschärfung auch das Führungsfeld. Gesagt, getan. Knapp vor der 100 Kilometer-Marke waren die drei deutschen Vertreter Herbst, Clavel und Kienle allerdings noch unter den ersten Fünf zu finden.

Während Clavel und Kienle ihren Stiefel „herunter bretterten“, gab es für Herbst dann doch das eine oder andere Problem. Nach Kilometer 150 hatte er bereits zwei Minuten auf die anderen Deutschen verloren. Der Rückstand wuchs zum Ende sogar noch auf gute neun Minuten an. Doch was war passiert? „Mir wurde regelrechtschwarz vor Augen. Ich hatte aufgrund fehlender Verpflegungsstationen und des Wetters irgendwie zu wenig Wasser zu mir genommen. Ich war komplett dehydriert und musste so auch das Tempo komplett rausnehmen und konnte nur noch dahinrollen“, so der Triathlonfuchs. Dennoch kam Herbst auf Position fünf liegend in der zweiten Wechselzone an. „Zu diesem Zeitpunkt war ich vollkommen fertig. Ich hatte keine Ahnung, wie ich in diesem Zustand überhaupt noch einen Marathon absolvieren sollte, oder das überhaupt irgendwie schaffen könnte. Ich war körperlich, mental und physisch komplett hinüber“, so Herbst.

Aber der Wechsel in T2 gelang Herbst sehr gut, obwohl er nicht ganz an die Top-Zeiten der restlichen Profis anschließen konnte. Als Fünfter ging es für ihn also auf die Marathon-Strecke. „Hinter so einem Wettkampf steht immer auch ein sehr großer Aufwand. Sicher wäre es einfacher gewesen, einfach auszusteigen, aber ich wollte das Beste daraus machen. Ich bin also erstmal einfach losgelaufen“, so der Altmärker. Herbst stieg mit einer Pace von 4:15 Minuten auf den ersten 10 Kilometern ein und steigerte sich bis Kilometer 18 sogar auf 4:10 Minuten. Damit rangierte er auf dem siebten Platz und steuerte ganz klar einer Top-den-Platzierung entgegen. Ganz vorn hatte indes Sebastian Kienle die Führung übernommen und nach knapp 23 Kilometer schon 1:30 Minuten zwischen sich und Verfolger Maurice Clavel gelegt. Gute 18 Minuten dahinter kämpfte sich Herbst von Kilometer zu Kilometer. Der hatte mit Dominik Sowieja noch einen weiteren Deutschen im Nacken, der ebenfalls eine tolle Leistung ablieferte. Danach musste Herbst weiter Tempo herausnehmen, konnte aber bis ins Ziel den neunten Gesamtplatz absichern.

„Dass es am Ende dann doch noch in einem kontinentalen Rennen ein neunter Platz unter den Top-Ten wird, war eigentlich nicht mehr so zu erwarten. Mein Körper hat sich zwar beim Laufen dann irgendwann wieder gefangen, aber so richtig frisch bin ich nicht mehr geworden. Im Grunde war es eines der besten Ironman-Rennen von mir. Ich bin trotz aller Gegebenheiten sehr zufrieden. Zuversicht gibt mir aber, dass ich die Lücke im Schwimmen weiter schließen konnte. Über den Winter werde ich noch einmal an meiner Nahrungsaufnahme, Flüssigkeitsaufnahme und den Salzgehalt im Körper arbeiten. Auch in Sachen Aerodynamik beim Radfahren ist sicher noch Potenzial vorhanden. Und vielleicht schaffe ich es dann doch noch, im Oktober 2022 auf Hawaii an der Startlinie zu stehen“, lässt Herbst sein großes Ziel nicht aus den Augen.

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