Karstens Bericht vom O-See Triathlon

Beim meinem 90. Triathlon hab ich es auch wieder über die Ziellinie geschafft, bin wieder ein FINISHER!

Zum vierten Mal bei einer Mitteldistanz und zum dritten mal in Folge in Uelzen. Bei dieser Veranstaltung, die man gern haben muss. Man fühlt sich als Athlet einfach wohl und man spürt das Herzblut der Veranstalter und der vielen Helfer.

Das Wetter sorgte für besondere Umstände an diesem Tag. Das Wasser war deutlich wärmer als die Luft und ich war froh, dass ich in den Neo schlüpfen konnte. Bin ja eher ein Neo-Muffel, aber so war das Schwimmen doch das kleinste Problem im Ablauf des Wettkampfes. Der entspannte rollende Start kommt mir als langsamer Schwimmer, ¾ der Strecke im Bruststil, auch entgegen.

Der Wechsel ging glatt von der Hand, zusätzlich noch eine lange Radjacke drüber und los, auf die regennassen Straßen. Erstmal alles schön piano, bloß nicht auf dem Asphalt landen. Die erste Runde fühlt siich aber gut an, ich kann viele schnellere Schwimmer wieder einsammeln, kaum jemand kommt noch vonn hinten an mir vorbei.  Auch Runde zwei alles prima, es rollt und ich sitze kompakt auf dem Rad. Auch in der zweiten Runde lasse ich die Verpflegungsstation rechts liegen und denke, dass es reicht was ich auf dem Rad zu mir nehme. Mitte der dritten Runde, am einzigen längeren ansteigenden Abschnitt melden sich Muskeln am Knie und Oberschenkel, drohen zu zumachen. Also etwas runter vom Gas und es geht weiter ganz gut. In Runde vier häufen sich aber die „Fehlermeldungen“ der Muskeln erneut und ich versuche mit einem runden Tritt und weniger Druck auf den Pedalen das Tempo zu halten. Inzwischen überhole ich kaum noch andere Athleten und einige, die ich schon hinter mir gelassen hatte, kamen zurück. Irgendwie kam es mir auch in den beiden letzten Runden nicht in den Sinn bei der Verpflegung aufzutanken. Vielleicht weil es nicht warm ist. Ganz im Gegenteil, die Füße waren ganz schön „steifgefroren“ und das fühlte sich nicht gut an.

In der Wechselzone angekommen,  ging es auch zügig in die Laufschuhe und ab auf die 8-Runden-Strecke. Hier machten sich die kalten Füße wieder bemerkbar, die Lauftechnik, die ich eh nicht wirklich habe, litt darunter.  Die kalten Muskeln der Oberschenkel und Knie meldeten sich erneut und in den erste beiden Runden gab es einige unfreiwillige Stopps, um Krämpfe rauszudrücken. Ich hoffte, dass ich diese Probleme nach und nach rauslaufen könnte, was auch halbwegs gelang. Aber das Gefühl, dass jederzeit ein Krampf droht, blieb auch in Runde drei und vier. Erstaunlicherweise war mein Tempo garnicht mal so schlecht, bewegte sich im positiven Bereich meiner Möglichkeiten . Dann die Runde Fünf. Hier wurde es auch in den letzten Jahren mental schwierig, aber nun kam ein dramatisches Ereignis hinzu. Ein Läufer war kollabiert und die Rettungskräfte kämpften um sein Leben. Man musste dicht am Unfallort vorbei und es hat mich wirklich betroffen gemacht. Ich dachte „Nicht schon wieder wie in Tangermünde“, als ein Athlet starb. Die Gedanken schossen kreuz und quer durch den Kopf. Ich hab auch überlegt, ob man einfach so weiterlaufen kann. Aber die Vernunft sagte mir, dass es ok ist und alles andere nicht wirklich nützt, Chaos und Panik niemandem helfen. Meine Geschwindigkeit lies also aus den verschieden Gründen nach. Ich musste mit mir erst mal wieder mental ins Reine kommen. So versuchte ich, mich für den Kampf über die letzten Runden noch mal zu motivieren. Nachdem ich auch das Ziel noch mal fokusiert hatte, immer wenn man daran noch vorbeiläuft, konnte ich mal in den Körper lauschen, was los ist. Langsam würde mir klar, dass ich wahrscheinlich kurz vor einem Hungerast stand. Ich hatte eindeutig zu wenig  Energie zu mir genommen. Also auch mal zur Cola greifen, die dann aber auch alle war, in Runde 6 und 7 auch nach Laugengebäck gegriffen. Und siehe da, meine Muskeln reagierten wieder auf Befehle und die Geschwindigkeit der letzten beiden Runden ließ sich wieder erhöhen.

Die letzte Runde setzte langsam die Produktion der Glückshormone in Gang und in Richtung Finale  geht es gefühlt doch bergab. Wenn dann auch noch die Freunde und Vereinskollegen im Ziel mit Applaus auf einen warten, ist die ganze Quälerei des Tages vergessen. Auch viele andere Triathleten und Zuschauer zollen bis zum Ende des Wettkampfes den Finishern ihren Respekt.

Das Verpflegungszelt hinter der Ziellinie ist nach dem Gruppenbild der Triathlonfüchse mein nächstes Ziel.  Das Buffet ist noch gut gefüllt und alles schmeckt lecker, endlich die Speicher wieder füllen. Hier wird mir mein Fehler erst richtig klar und ich nehme das als Erfahrung mit. Der Muskelkater des nächsten Tages erinnert mich auch noch mal daran.

Die erreichten Zeiten kann ich gut einordnen und helfen mir, den Trainingsplan bis zum Saisonhöhepunkt entsprechend zu gestalten.

Am 4. August geht es wieder um ein Finish, dann beim IRONMAN TALLIN…

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